Februar Achterwasser 1

St. Otto, Februar 2019

„Mit dem Wind“...

... verschlägt es im Laufe des Jahres eine bunte Gästeschar nach St. Otto. Im Februar bekommt man beim „Klick“ auf den Belegungsplan schon einen guten Überblick, was bzw. wer da in diesem Jahr auf einen zukommt. Natürlich sind wir in erster Linie eine Anlaufstelle für christliche Gruppen, Gemeinden und Schulen. Ob Sommerfahrt, Seniorenreisen oder auch Einzelreisende und Familien mit konfessionellem Hintergrund – die Möglichkeit in St. Otto nicht nur einen schönen Urlaub zu verbringen, sondern den lieben Gott auch im Urlaub mit an Bord zu haben ist ein Plus, das viele an St. Otto schätzen. Ob im Handgepäck mitgebracht oder doch im Stress des Alltags und des Aufbruchs zu Hause vergessen: Wer mag, findet in St. Otto immer eine Möglichkeit und hoffentlich auch die Zeit, ihm zu begegnen, ihn mit-, wahr- und aufzunehmen.

Die Kirchenglocke, die zum gemeinsamen Mittagsgebet in den Speiseraum ruft. Die kleine Kapelle, die eine Geborgenheit schenkt, die man in vielen großen Kirchen nicht unbedingt sofort findet. Der Raum der Stille, zu dem man bis ganz unters Dach hinaufsteigen muss, um dann zwischen Himmel und Erde zu schweben. Und in der Mitte die Kirche, die immer offen steht. Denn der liebe Gott kennt keinen Feierabend oder Geschäftsschluss.

Es gibt viele Kirchen, die nur ab und an als Gottesdienstort genutzt werden und es gibt Kirchen, in denen man spürt, dass sie vom Gebet getragen werden, die Begegnung mit Gott dort kein Augenblick, kein Wimpernschlag ist, sondern eine feste, grundlegende und –gebende Verbindung darstellt. Dass St. Otto ein solcher Ort ist, das verdanken wir zu einem großen Teil unseren Franziskanerschwestern, die durch ihr Gebet und ihre pflegende Umsicht die Kirche tragen und prägen.

Da kommen aber auch noch „die Anderen“ nach St. Otto, die, die mit Kirche erst einmal gar nichts am Hut haben. Polizei und Bundeswehr, Krankenhäuser und Sportvereine, staatliche Schulen, Firmen, Musikensembles oder Wandervereine. Auch für Veranstaltungen wie runde Geburtstage oder Jugendweihe-Feiern wird gern bei uns gebucht. Und da fragt man sich schon: Was wollen die eigentlich hier? Oder: Wollen wir die überhaupt und wie passen die zu uns? Solche Fragen tauchen immer mal wieder in unserer Hausrunde auf und sind nicht unberechtigt. Schließlich geht es bei der Auswahl unserer Gäste auch immer um das Miteinander hier auf dem Gelände.

Im Grunde steht dahinter doch die Frage nach Öffnung, die sich katholische Institutionen immer wieder stellen müssen. Bediene ich nur meine Glaubensschwestern und –brüder, oder lasse ich auch Anders- und Nichtgläubige teilhaben? Schotte ich mich ab oder gehe ich auf andere zu? Für Jesus war das nie eine Frage! Information, Kooperation, Partizipation, Inklusion, Kommunikation – alles Begriffe, die so nicht in den Evangelien vorkommen und doch drücken sie das aus, was Jesus gepredigt und gelebt hat. Insofern ist die Frage der Auswahl auch ganz einfach zu beantworten: Wer uns wählt und die Hemmschwelle, eine „christliche Location“ zu buchen überwindet, der ist uns selbstverständlich willkommen.

Über die katholischen Militärseelsorger oder die RKW freuen wie uns genauso wie über den muslimischen Mädchenchor, der an Silvester hier war. Das Priesterjubiläum kann ebenso bei uns gefeiert werden, wie die Jugendweihe. Damit das gut zusammengeht, dafür sind wir da, dafür müssen wir Sorge tragen – und das tun wir.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

St. Otto, im Januar 2019

„Mit dem Wind“...

... war er mal wieder unterwegs, der Moment. Es gibt ihn, den richtigen Moment am falschen Platz, und in der letzten Woche bin ich ihm mal wieder begegnet. Das passiert in der Regel ungeplant und leider viel zu selten. Dieses Mal war es am 3. Januar, morgens im Dunkeln auf den Rad. Böen mit Windstärke 10 – natürlich von vorn –, die Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt und dann war er plötzlich da: Der Hagelschauer! Auf freier Strecke! Der Moment!

Während an normalen Tagen die Gedanken auf dem Rad meist schneller unterwegs sind als die Pedale, dabei anstehende Aufgaben vorsortiert werden oder der gestrige Tag noch einmal Revue passiert, Probleme gewälzt oder bestenfalls weggestrampelt werden, lässt der Moment für solcherlei Nebensächlichkeiten keinen Raum. Der Hagel, der Sturm, die Dunkelheit – die Reduktion auf das „Hier und Jetzt“ erfolgt ganz automatisch. Die ersten Impulse „Mist!“, „Sch… wo stelle ich mich bloß unter?!“ blitzen vielleicht noch auf. Aber dann sind da nur noch die Nadelstiche der Hagelkörner, die verschwimmende Sicht durch die ohnehin beschlagene Radbrille, das Kurshalten in der nächsten Bö und eben – der Moment. Allein mit sich und der tobenden, unwirtlichen Natur und doch geborgen im Selbst. Abgeschirmt von allen Gedanken, die sich im Alltag so schwer bändigen, kontrollieren oder auch nur mal ausschalten lassen.

Ich brauche solche Momente. Immer mal wieder. Und ich bin der Natur dankbar dafür, dass sie gratis und ungefragt mit dem aushilft, was ich mit all meiner Planung und meinen Versuchen, Phasen der inneren Einkehr, des zu sich selbst und ganz bei sich Seins zu finden, nicht schaffe.

Manche vertreten die irrige Ansicht, dass Alkohol oder diverse Drogen ein probates Mittel seien. Zugedröhnt hat man aber definitiv keine Chance mehr, den Moment zu spüren. Abgesehen davon, dass der sich spätestens mit den Kopfschmerzen am nächsten Tag oder anderen Begleiterscheinungen solcher Exzesse verflüchtigt.

Andere gehen zum Yoga, nehmen an Exerzitien teil, finden diese Momente im Gebet. St. Otto bietet dafür zahlreiche Zeiten und geprägte Räume. Und trotzdem. Ich brauche diese unkontrollierbaren Naturphänomene für meine ganz persönlichen Momente. Zugegeben: Der Ort und die äußeren Umstände könnten komfortabler sein. Aber jeder dieser Momente ist es Wert, die Komfortzone für eine Weile zu verlassen!

Ich wünsche Ihnen Gelegenheiten für solche Momente, die Kontemplation ihnen nachzuspüren und die Kraft, und Lebensfreude, die sie schenken! Und vielleicht treffen wir uns irgendwann, morgens um kurz nach 7 im Sturm und bei strömendem Regen auf dem Weg zwischen Netzelkow und St. Otto. Dann gilt: Nicht ansprechen (man versteht ohnehin nichts), denn vielleicht ist das gerade wieder einer dieser ganz besonderen Momente

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

            St. Otto, Weihnachten 2018

„Mit dem Wind“...

... hört sich ganz eindeutig an. Ist es aber nicht! Sicher, am Strand weht die steife Brise aus Nordost alles in eine Richtung und man ist froh, wenn der eigene Weg nicht zufällig in die Gegenrichtung führt. Aber schon in den Dünen und erst recht in den Häuserschluchten einer Großstadt hat die Windrichtung oft wenig mit der Wettervorhersage zu tun. Windwirbel, Luftlöcher oder Wind, der sich zwischen Gebäuden fängt und statt von hinten, wie versprochen, unerwartet von der Seite oder gar von vorn bläst. Wir kennen das alle.

Das geht uns in der Vorweihnachtszeit oft nicht anders. Eigentlich ist die Richtung klar, das Ziel haben wir alle vor Augen und trotzdem wirbelt es uns mitunter kräftig durcheinander: Tanne oder Kiefer, Kartoffelsalat oder Braten, die Farbe des Geschenkpapiers oder überhaupt Papier, dieses Jahr lila Kugeln an den Weihnachtsbaum oder doch wieder ausschließlich Strohsterne, Baum mit Ballen oder gefällt, die Krippe unter den Baum oder auf den Tisch davor, und, und, und… .

Nun ist es ja prinzipiell schön, so viele Möglichkeiten zu haben, aber hat man die wirklich? Was für den einen unabdingbar zu Weihnachten gehört, ist für den anderen ein „No-Go“. „Falls wieder das umweltschädliche Lametta am Baum hängt, dann kannst du gleich alleine feiern!“ „Josef muss links neben der Krippe stehen, das ist biblisch belegt!“ „Wenn du den ganzen Tag das Weihnachtsoratorium laufen lässt, kannst du mich für die Weihnachtsvorbereitungen streichen! Das Gedudel hält doch der stärkste Weihnachtsmann nicht aus!“ „Weihnachtsmann?? Welcher Weihnachtsmann!!“

Die Richtung? Weihnachten! Die Geburt Jesu! Ist doch klar! Aber da raschelt es, da wirbelt es, da rumpelt es und ehe man sichs versieht, ist der Kampf mit den scheinbaren Schwierigkeiten, den unterschiedlichen Ansichten, den ach so wichtigen Nebensächlichkeiten in den Mittelpunkt des Weihnachtsgeschehens gerückt. Platz für die Krippe? Aber nur, wenn der Josef links steht!

Im Übrigen ist das nicht nur an Weihnachten so. Wo zwei oder drei versammelt sind, gemeinsam leben, arbeiten oder auch beten, da sind Meinungsverschiedenheiten die Regel – und das ist zunächst einmal nicht schlecht. 

Das trifft natürlich auch auf uns hier in St. Otto zu. Jeden Tag müssen zahlreiche Entscheidungen getroffen werden. Da wird schon mal jemand vergessen, der eigentlich miteinbezogen werden sollte. Da prallen Meinungen und Ansichten aufeinander, wie immer, wenn sich Menschen engagieren. Einheitsbrei wollen wir nicht. Beliebigkeit statt Engagement kann sich niemand wünschen. Aber Augenmaß für die wichtigen Dinge und die Bereitschaft, die Relevanz der eigenen Ansichten zu hinterfragen hilft manchmal, den Blick auf die wirklich wichtigen Dinge zu lenken. 

Eine frohe, gnadenreiche Weihnachtszeit mit dem guten Blick für das Wesentliche und liebende Großzügigkeit bei den kleinen Nebensächlichkeiten, die oft viel zu großen Raum in unserem Leben einnehmen wünscht

Herzlichst                                                                         
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

         St. Otto im Advent 2018

„Mit dem Wind“...

... ist ein Licht erwacht. So ein Unsinn, sollte man denken. Der Wind pustet das Licht eher aus, wenn es sich um eine Kerze handelt oder sorgt dafür, dass das Windlicht gefährlich schaukelnd das zarte Flämmchen schützen muss. Aber trotzdem: Wenn der Wind nicht an dem ein oder anderen Tag den Nebel und die Wolken beiseite schieben würde, dann hätte die Sonne in diesen Wochen überhaupt keine Chance sich sehen zu lassen.

Wunderschön, so ein Sonnenaufgang an einem kalten, stürmischen Wintertag im Advent! Während die Sonne im Sommer längst unterwegs ist, bis das Klingeln des Weckers auch uns auf die Reise durch den Tag schickt, haben wir es im Dezember viel leichter, dieses Wettrennen für uns zu entscheiden. Zugegeben – das warme Bett verlockt zum Liegenbleiben und die Aussicht, sich gleich auf den kalten, dunklen Weg zur Arbeit zu machen, motiviert auch nicht besonders. Aber spätestens, wenn man auf dem Rad oder im Auto sitzend sieht, wie sich der Horizont rötlich färbt und sich schließlich die Sonne scheinbar mühevoll, langsam aber trotzdem strahlend auf ihren Weg begibt, dann ist der Augenblick zum Innehalten, zum Staunen, zum Genießen gekommen. Ein Licht ist im Advent erwacht.

Wann sonst im Jahr nehmen wir uns die Zeit, die Sonne so intensiv und freudig zu begrüßen? In der Regel ist sie einfach da. Aber in der dunklen Jahreszeit hat sie ihren großen Auftritt, nicht dann, wenn sie am hellsten und kräftigsten leuchtet, sondern in einer Zeit, in der wir für jeden Tag dankbar sind, der sich vom trüben Winterwetter abhebt.

Vielleicht ist das genau so gewollt? Da rückt einer das Wesentliche in den Mittelpunkt, das Alltägliche gewinnt an Wert, an Bedeutung. Nicht umsonst warten wir im Dezember sehnsüchtig darauf, dass die Tage wieder länger werden, die Sonne sich nicht mehr ganz so rar macht. Mit zahlreichen Lichterketten, Strahlern, Kerzen und Lampen versuchen wir sie in der dunklen Jahreszeit zu ersetzen und merken - an das Original kommen wir nicht ansatzweise heran.

Manchmal reicht ein Sonnenstrahl am Morgen, um den ganzen Tag in ein anders Licht zu tauchen. Nehmen wir doch die dunkle Jahreszeit als Chance, genau diesen Sonnenstrahl viel öfter bewusst wahrzunehmen.

Besinnen auf das Wesentliche, Zeit nehmen, das Licht erkennen - Advent. Das klappt mit etwas gutem Willen und einer gehörigen Portion Ignoranz gegenüber all dem Vorweihnachtstrubel in der Stadt wie hier auf Usedom. Nur wollen muss man schon. Und die Hektik dann und wann bewusst hinter sich lassen. Und das, ja das fällt dann auf der Insel, hier in St. Otto im Dezember, wohl tatsächlich leichter.

Herzlichst                                                                         
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

                                                                         St. Otto im November 2018

„Mit dem Wind“...

... und durch den Herbstnebel. In diesem Jahr haben wir die Terrassenmöbel tatsächlich erst Mitte Oktober in den Winterschlaf geschickt. Das schöne Spätherbstwetter hat bis dahin immer wieder mutige Gäste zum Verweilen vor unserem Speiseraum verlockt. Erstaunlich eigentlich, wie bunt die Gästeschar zu dieser Jahreszeit ist. Fast wie die Vielfalt der Herbstblätterfarben mischen sich unter die Schulklassen und Familien zahlreiche Senioren, die die ruhigere Zeit auf der Insel genießen, Sportvereine im Trainingslager oder auch die Bundeswehr, die Seminare und Schulungen bei uns abhält. 

Doch jetzt ist er wohl endgültig vorbei, der goldene Teil des Herbstes. Die Zeitumstellung hat das Ihre dazu beigetragen, dass ab dem frühen Nachmittag eine Lichtquelle unerlässlich wird, entscheidet man sich nicht für die Bettdecke und den eigentlich fälligen Winterschlaf. 

Das mit der Lichtquelle ist im Übrigen gar nicht so einfach. Kerze oder LED, hell oder dunkel, direkt oder indirekt, warm oder kalt, energiesparend oder gemütlich: So vielfältig wie die Möglichkeiten Licht ins Dunkel zu bringen, so unterschiedlich die Meinungen darüber, wie das am besten zu bewerkstelligen sei. Da sind wir Menschen ganz eigen. Niemand würde zwar auf die Idee kommen, sein Fahrrad mit einer Laterne als Lichtquelle zu versehen oder das Candlelight-Dinner mit einer Flutlichtanlage auszuleuchten. Und dass der Zahnarzt bei seiner Behandlung möglichst nicht im Dunkeln tappen sollte, auch darin sind wir uns wohl einig. Aber schon bei der Ausleuchtung des Wohnzimmers, des Arbeitsplatzes, der Beleuchtung im Restaurant oder auch in der Kirche gehen die Meinungen weit auseinander. 

Neben sachlichen Argumenten spielt ganz einfach auch das persönliche Empfinden eine entscheidende Rolle. Wie viel Licht der Einzelne in einer bestimmten Situation für angebracht oder wünschenswert hält, ist keineswegs ausschließlich eine Frage des individuellen Sehvermögens. Deshalb lässt sich über die „richtige“ Ausleuchtung auch so wunderbar streiten.

Fest steht allerdings: Wir Menschen brauchen Licht! Gerade im Winterhalbjahr, wenn die Sonne manchmal über Tage hinter dicken Nebelwänden verschollen scheint, sind wir dabei auf die verschiedenen künstlichen Lichtquellen angewiesen. Wie schön, dass es die in so zahlreichen Variationen gibt!

Wie wichtig das Licht für uns ist, zeigen nicht zuletzt unsere zahlreichen Lichterfeste in der dunklen Jahreszeit. Wenn der Heilige Martin Licht in das Leben anderer bringt, dann ist das eine ganz besondere Form von Helligkeit und Wärme. Energieeffizienz in ihrer besten Ausformung.  

Lassen wir unser Licht leuchten und Licht-Quelle sein, für andere, gemeinsam, nicht nur in der dunklen Jahreszeit.  

Herzlichst                                                                         
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

St. Otto im Oktober 2018

„Mit dem Wind“…

… ziehen seit einigen Tagen auch wieder Regenwolken über die Insel. Es gibt sie tatsächlich noch! Mal rücken sie mit dicken Tropfen an und dann wieder mit nachhaltigem Nieselregen. Aussuchen kann man sich das nicht. Und nass wird man in jedem Fall. 

Viele Bauern hätten sich den Regen für ihr Getreide im Frühjahr und Sommer gewünscht, während die Winzer eine Rekordernte erwarten. Erntedank fällt da, abhängig vom Betrachter, sehr unterschiedlich aus. Dieser Sommer zeigt uns nachdrücklich, dass ertragreiche Landwirtschaft auch in unserer hochtechnisierten und auf Risikominimierung ausgerichteten Lebenswelt kein Selbstläufer ist. Es gehört Mut dazu, sich jedes Jahr erneut auf die Unberechenbarkeit von Wind und Wetter, von Regen und Sonne einzulassen, die eigene Existenz und die der Familie darauf aufzubauen. 

Eine gute Ernte ist auch heute keine Selbstverständlichkeit. Sie steht am Ende von viel schweißtreibender Arbeit – wenn das Wetter passt, die Schädlinge nicht überhandnehmen, die Maschinen funktionieren, genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, die eigene Gesundheit mitspielt und, und, und. Viele Faktoren liegen nicht in unserer Hand. Auch deshalb Erntedank.

Wir hier in St. Otto stehen nicht auf dem Feld und schweres Gerät kommt höchstens beim jährlichen Arbeitseinsatz des Freundeskreises auf unserem Gelände zum Einsatz. Wir halten keine dicken Kartoffeln, prächtigen Kürbisse oder prallen Reben als Ergebnis unserer Arbeit in den Händen. Und trotzdem sind wir ziemlich urlaubsreif am Ende einer langen Saison. Erntedank?

Arbeiten „wo andere Urlaub machen“, kann ganz schön anstrengend sein. Täglich alles daran zu setzen, damit der Urlaub für unsere Gäste eine wunderschöne, erholsame Zeit wird, kostet Kraft. Immer ein freundliches Wort, ein Lächeln, parat zu haben, auch wenn man persönlich gerade am liebsten laut schimpfen würde, ist manchmal nicht einfach.

Wenn Sie abreisen und sich an eine gute Zeit in St. Otto erinnern, vielleicht den einen oder anderen Energieschub in Ihren Alltag hinüberretten können, dann hat sich unser Einsatz gelohnt. Wenn es Ihnen gelingt, wie die Maus „Frederick“ im Buch von Leo Lionni, bis zum nächsten Urlaub hin und wieder an ihren positiven Erinnerungen zu „knabbern“, freuen wir uns.

Für uns in St. Otto sind Ihre vielen positiven Rückmeldungen, die netten Worte oder auch die freundlichen Blicke die „dicken Kartoffeln“, die Ernte, für unsere geleistete Arbeit. Erntedank eben!

Herzlichst                                                                         
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

                                                                                                         St. Otto im September 2018

 „Mit dem Wind“...

... ist man in der Regel besser unterwegs, als wenn eine kräftige Brise von vorn bläst.
Wer nicht aufpasst, den treibt der Wind aber auch schnell in eine ungeplante Richtung oder am Ziel vorbei.
In einem solchen Fall heißt es, umkehren, und der Rückweg kann dann so richtig anstrengend werden.

Auch kann man sich auf den Wind nicht verlassen.
Er wechselt die Richtung, weht mal aus Osten, dann wieder aus Norden oder Westen
und für manchen leidgeprüften Radfahrer einfach immer nur entgegen der Fahrtrichtung.
Dann heißt es, Zähne zusammenbeißen und schwitzen, oder sich auf die elektrische Trethilfe verlassen,
der die Windrichtung ganz gleichgültig ist.

Vielleicht ist aber der Gegenwind, der uns am raschen Fortkommen hindert, gar nicht so störend, wie wir oft meinen. Zwar sorgt er dafür, dass wir an Tempo verlieren, zum Verschnaufen auch mal absteigen müssen
oder zu spät zu einer Verabredung kommen,
aber jeder kennt auch das Gefühl, körperlich ordentlich gefordert aber wunderbar durchgepustet am Ziel anzukommen.
Mit Rückenwind wäre man sicher schneller, entspannter und vielleicht sogar pünktlich gewesen;
das Gefühl, etwas geschafft zu haben, hätte sich aber nicht im gleichen Maße eingestellt.

Vom Gegenwind können wir lernen, dass Widerstände nicht nur ärgerliche Störfaktoren sein müssen.
Ein Leben auf der Überholspur des Rückenwinds führt nicht selten dazu, dass wir manches verpassen
und vieles nicht intensiv genug wahrnehmen, denn – husch – ist man schon vorüber und vorbei.

Wenn es mir gelingt, den Ärger über den fiesen Gegenwind, der mich regelmäßig ausbremst, zu vergessen
und mich stattdessen über das langsame aber stetige Vorankämpfen – Tritt um Tritt, Schritt für Schritt – zu freuen,
es vielleicht sogar stolz zu genießen, dass ich mir jeden Meter hart erarbeite,
dann trägt auch der zunächst unliebsame Gegenwind dazu bei, meinen Tag zu einem erfüllten zu machen.

 

Liebe Freunde von St. Otto,

seit dem 1. September bin ich als neuer Rektor des Hauses für vieles verantwortlich.
Manche Aufgaben kenne ich schon, andere werden dazukommen.
Den wohligen Rückenwind habe ich schon gespürt, denn der Empfang war sehr herzlich.
Aber auch auf den „positiven Gegenwind“ freue ich mich!

In regelmäßigen Abständen werde ich versuchen, Sie unter der Überschrift „Mit dem Wind“... an Gedanken, Neuigkeiten oder auch dem Alltag in und rund um St. Otto teilhaben zu lassen.
Schauen Sie also bei Interesse gern ab und an mal wieder auf unserer Homepage vorbei.

Kommen Sie gut in den Herbst und genießen Sie die letzten Spätsommertage auf der Insel oder anderswo!
Und wenn Ihnen im Alltag der Wind mal wieder kräftig ins Gesicht bläst:
Tief durchatmen, runterschalten und mutig voran!


Herzlichst                                                                         
Ihr
Markus Constantin
Rektor

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