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            St. Otto im Advent 2018

„Mit dem Wind“...

... ist ein Licht erwacht. So ein Unsinn, sollte man denken. Der Wind pustet das Licht eher aus, wenn es sich um eine Kerze handelt oder sorgt dafür, dass das Windlicht gefährlich schaukelnd das zarte Flämmchen schützen muss. Aber trotzdem: Wenn der Wind nicht an dem ein oder anderen Tag den Nebel und die Wolken beiseite schieben würde, dann hätte die Sonne in diesen Wochen überhaupt keine Chance sich sehen zu lassen.

Wunderschön, so ein Sonnenaufgang an einem kalten, stürmischen Wintertag im Advent! Während die Sonne im Sommer längst unterwegs ist, bis das Klingeln des Weckers auch uns auf die Reise durch den Tag schickt, haben wir es im Dezember viel leichter, dieses Wettrennen für uns zu entscheiden. Zugegeben – das warme Bett verlockt zum Liegenbleiben und die Aussicht, sich gleich auf den kalten, dunklen Weg zur Arbeit zu machen, motiviert auch nicht besonders. Aber spätestens, wenn man auf dem Rad oder im Auto sitzend sieht, wie sich der Horizont rötlich färbt und sich schließlich die Sonne scheinbar mühevoll, langsam aber trotzdem strahlend auf ihren Weg begibt, dann ist der Augenblick zum Innehalten, zum Staunen, zum Genießen gekommen. Ein Licht ist im Advent erwacht.

Wann sonst im Jahr nehmen wir uns die Zeit, die Sonne so intensiv und freudig zu begrüßen? In der Regel ist sie einfach da. Aber in der dunklen Jahreszeit hat sie ihren großen Auftritt, nicht dann, wenn sie am hellsten und kräftigsten leuchtet, sondern in einer Zeit, in der wir für jeden Tag dankbar sind, der sich vom trüben Winterwetter abhebt.

Vielleicht ist das genau so gewollt? Da rückt einer das Wesentliche in den Mittelpunkt, das Alltägliche gewinnt an Wert, an Bedeutung. Nicht umsonst warten wir im Dezember sehnsüchtig darauf, dass die Tage wieder länger werden, die Sonne sich nicht mehr ganz so rar macht. Mit zahlreichen Lichterketten, Strahlern, Kerzen und Lampen versuchen wir sie in der dunklen Jahreszeit zu ersetzen und merken - an das Original kommen wir nicht ansatzweise heran.

Manchmal reicht ein Sonnenstrahl am Morgen, um den ganzen Tag in ein anders Licht zu tauchen. Nehmen wir doch die dunkle Jahreszeit als Chance, genau diesen Sonnenstrahl viel öfter bewusst wahrzunehmen.

Besinnen auf das Wesentliche, Zeit nehmen, das Licht erkennen - Advent. Das klappt mit etwas gutem Willen und einer gehörigen Portion Ignoranz gegenüber all dem Vorweihnachtstrubel in der Stadt wie hier auf Usedom. Nur wollen muss man schon. Und die Hektik dann und wann bewusst hinter sich lassen. Und das, ja das fällt dann auf der Insel, hier in St. Otto im Dezember, wohl tatsächlich leichter.

Herzlichst                                                                         
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

                                                                         St. Otto im November 2018

„Mit dem Wind“...

... und durch den Herbstnebel. In diesem Jahr haben wir die Terrassenmöbel tatsächlich erst Mitte Oktober in den Winterschlaf geschickt. Das schöne Spätherbstwetter hat bis dahin immer wieder mutige Gäste zum Verweilen vor unserem Speiseraum verlockt. Erstaunlich eigentlich, wie bunt die Gästeschar zu dieser Jahreszeit ist. Fast wie die Vielfalt der Herbstblätterfarben mischen sich unter die Schulklassen und Familien zahlreiche Senioren, die die ruhigere Zeit auf der Insel genießen, Sportvereine im Trainingslager oder auch die Bundeswehr, die Seminare und Schulungen bei uns abhält. 

Doch jetzt ist er wohl endgültig vorbei, der goldene Teil des Herbstes. Die Zeitumstellung hat das Ihre dazu beigetragen, dass ab dem frühen Nachmittag eine Lichtquelle unerlässlich wird, entscheidet man sich nicht für die Bettdecke und den eigentlich fälligen Winterschlaf. 

Das mit der Lichtquelle ist im Übrigen gar nicht so einfach. Kerze oder LED, hell oder dunkel, direkt oder indirekt, warm oder kalt, energiesparend oder gemütlich: So vielfältig wie die Möglichkeiten Licht ins Dunkel zu bringen, so unterschiedlich die Meinungen darüber, wie das am besten zu bewerkstelligen sei. Da sind wir Menschen ganz eigen. Niemand würde zwar auf die Idee kommen, sein Fahrrad mit einer Laterne als Lichtquelle zu versehen oder das Candlelight-Dinner mit einer Flutlichtanlage auszuleuchten. Und dass der Zahnarzt bei seiner Behandlung möglichst nicht im Dunkeln tappen sollte, auch darin sind wir uns wohl einig. Aber schon bei der Ausleuchtung des Wohnzimmers, des Arbeitsplatzes, der Beleuchtung im Restaurant oder auch in der Kirche gehen die Meinungen weit auseinander. 

Neben sachlichen Argumenten spielt ganz einfach auch das persönliche Empfinden eine entscheidende Rolle. Wie viel Licht der Einzelne in einer bestimmten Situation für angebracht oder wünschenswert hält, ist keineswegs ausschließlich eine Frage des individuellen Sehvermögens. Deshalb lässt sich über die „richtige“ Ausleuchtung auch so wunderbar streiten.

Fest steht allerdings: Wir Menschen brauchen Licht! Gerade im Winterhalbjahr, wenn die Sonne manchmal über Tage hinter dicken Nebelwänden verschollen scheint, sind wir dabei auf die verschiedenen künstlichen Lichtquellen angewiesen. Wie schön, dass es die in so zahlreichen Variationen gibt!

Wie wichtig das Licht für uns ist, zeigen nicht zuletzt unsere zahlreichen Lichterfeste in der dunklen Jahreszeit. Wenn der Heilige Martin Licht in das Leben anderer bringt, dann ist das eine ganz besondere Form von Helligkeit und Wärme. Energieeffizienz in ihrer besten Ausformung.  

Lassen wir unser Licht leuchten und Licht-Quelle sein, für andere, gemeinsam, nicht nur in der dunklen Jahreszeit.  

Herzlichst                                                                         
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

St. Otto im Oktober 2018

„Mit dem Wind“…

… ziehen seit einigen Tagen auch wieder Regenwolken über die Insel. Es gibt sie tatsächlich noch! Mal rücken sie mit dicken Tropfen an und dann wieder mit nachhaltigem Nieselregen. Aussuchen kann man sich das nicht. Und nass wird man in jedem Fall. 

Viele Bauern hätten sich den Regen für ihr Getreide im Frühjahr und Sommer gewünscht, während die Winzer eine Rekordernte erwarten. Erntedank fällt da, abhängig vom Betrachter, sehr unterschiedlich aus. Dieser Sommer zeigt uns nachdrücklich, dass ertragreiche Landwirtschaft auch in unserer hochtechnisierten und auf Risikominimierung ausgerichteten Lebenswelt kein Selbstläufer ist. Es gehört Mut dazu, sich jedes Jahr erneut auf die Unberechenbarkeit von Wind und Wetter, von Regen und Sonne einzulassen, die eigene Existenz und die der Familie darauf aufzubauen. 

Eine gute Ernte ist auch heute keine Selbstverständlichkeit. Sie steht am Ende von viel schweißtreibender Arbeit – wenn das Wetter passt, die Schädlinge nicht überhandnehmen, die Maschinen funktionieren, genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, die eigene Gesundheit mitspielt und, und, und. Viele Faktoren liegen nicht in unserer Hand. Auch deshalb Erntedank.

Wir hier in St. Otto stehen nicht auf dem Feld und schweres Gerät kommt höchstens beim jährlichen Arbeitseinsatz des Freundeskreises auf unserem Gelände zum Einsatz. Wir halten keine dicken Kartoffeln, prächtigen Kürbisse oder prallen Reben als Ergebnis unserer Arbeit in den Händen. Und trotzdem sind wir ziemlich urlaubsreif am Ende einer langen Saison. Erntedank?

Arbeiten „wo andere Urlaub machen“, kann ganz schön anstrengend sein. Täglich alles daran zu setzen, damit der Urlaub für unsere Gäste eine wunderschöne, erholsame Zeit wird, kostet Kraft. Immer ein freundliches Wort, ein Lächeln, parat zu haben, auch wenn man persönlich gerade am liebsten laut schimpfen würde, ist manchmal nicht einfach.

Wenn Sie abreisen und sich an eine gute Zeit in St. Otto erinnern, vielleicht den einen oder anderen Energieschub in Ihren Alltag hinüberretten können, dann hat sich unser Einsatz gelohnt. Wenn es Ihnen gelingt, wie die Maus „Frederick“ im Buch von Leo Lionni, bis zum nächsten Urlaub hin und wieder an ihren positiven Erinnerungen zu „knabbern“, freuen wir uns.

Für uns in St. Otto sind Ihre vielen positiven Rückmeldungen, die netten Worte oder auch die freundlichen Blicke die „dicken Kartoffeln“, die Ernte, für unsere geleistete Arbeit. Erntedank eben!

Herzlichst                                                                         
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

                                                                                                         St. Otto im September 2018

 „Mit dem Wind“...

... ist man in der Regel besser unterwegs, als wenn eine kräftige Brise von vorn bläst.
Wer nicht aufpasst, den treibt der Wind aber auch schnell in eine ungeplante Richtung oder am Ziel vorbei.
In einem solchen Fall heißt es, umkehren, und der Rückweg kann dann so richtig anstrengend werden.

Auch kann man sich auf den Wind nicht verlassen.
Er wechselt die Richtung, weht mal aus Osten, dann wieder aus Norden oder Westen
und für manchen leidgeprüften Radfahrer einfach immer nur entgegen der Fahrtrichtung.
Dann heißt es, Zähne zusammenbeißen und schwitzen, oder sich auf die elektrische Trethilfe verlassen,
der die Windrichtung ganz gleichgültig ist.

Vielleicht ist aber der Gegenwind, der uns am raschen Fortkommen hindert, gar nicht so störend, wie wir oft meinen. Zwar sorgt er dafür, dass wir an Tempo verlieren, zum Verschnaufen auch mal absteigen müssen
oder zu spät zu einer Verabredung kommen,
aber jeder kennt auch das Gefühl, körperlich ordentlich gefordert aber wunderbar durchgepustet am Ziel anzukommen.
Mit Rückenwind wäre man sicher schneller, entspannter und vielleicht sogar pünktlich gewesen;
das Gefühl, etwas geschafft zu haben, hätte sich aber nicht im gleichen Maße eingestellt.

Vom Gegenwind können wir lernen, dass Widerstände nicht nur ärgerliche Störfaktoren sein müssen.
Ein Leben auf der Überholspur des Rückenwinds führt nicht selten dazu, dass wir manches verpassen
und vieles nicht intensiv genug wahrnehmen, denn – husch – ist man schon vorüber und vorbei.

Wenn es mir gelingt, den Ärger über den fiesen Gegenwind, der mich regelmäßig ausbremst, zu vergessen
und mich stattdessen über das langsame aber stetige Vorankämpfen – Tritt um Tritt, Schritt für Schritt – zu freuen,
es vielleicht sogar stolz zu genießen, dass ich mir jeden Meter hart erarbeite,
dann trägt auch der zunächst unliebsame Gegenwind dazu bei, meinen Tag zu einem erfüllten zu machen.

 

Liebe Freunde von St. Otto,

seit dem 1. September bin ich als neuer Rektor des Hauses für vieles verantwortlich.
Manche Aufgaben kenne ich schon, andere werden dazukommen.
Den wohligen Rückenwind habe ich schon gespürt, denn der Empfang war sehr herzlich.
Aber auch auf den „positiven Gegenwind“ freue ich mich!

In regelmäßigen Abständen werde ich versuchen, Sie unter der Überschrift „Mit dem Wind“... an Gedanken, Neuigkeiten oder auch dem Alltag in und rund um St. Otto teilhaben zu lassen.
Schauen Sie also bei Interesse gern ab und an mal wieder auf unserer Homepage vorbei.

Kommen Sie gut in den Herbst und genießen Sie die letzten Spätsommertage auf der Insel oder anderswo!
Und wenn Ihnen im Alltag der Wind mal wieder kräftig ins Gesicht bläst:
Tief durchatmen, runterschalten und mutig voran!


Herzlichst                                                                         
Ihr
Markus Constantin
Rektor

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