Kurtaxe / Bildungsreisen

Liebe Gäste, seit Mai 2017 ist nach vielen Jahren durch die Gemeinde Zinnowitz eine neue Kurtaxensatzung in Kraft gesetzt worden.

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Preise

Der Preis für eine Übernachtung in St. Otto setzt sich aus drei Teilen zusammen: aus dem Zimmerpreis, aus den Tagessätzen (Servicepaket), aus eventuellen Zusatzleistungen.

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familie

St. Otto, Juli 2026

  „Mit dem Wind“...

 … mal etwas später zur Arbeit unterwegs gewesen. Auf der Zeltplatzstraße, kurz hinter dem kleinen Kreisverkehr in Trassenheide, bewegte sich eine Familie auf ihren Rädern in Richtung Zinnowitz. Die Mutter auf einem alten Hollandrad und der Vater mit einem Kinderanhänger an seinem ebenfalls in die Jahre gekommenen Bike legten ein gemächliches Tempo vor. Eskortiert wurde das Gespann von einem vier- oder fünfjährigen Radler im Deutschlandtrikot, der kräftig in die Pedale seines Kinderrades trat. Ich klingelte und reduzierte mein Tempo, um den Knilch auf seinem Rad beim Überholen nicht zu gefährden.

Während sich die Eltern bereitwillig von der Mitte der Straße an den rechten Fahrbahnrand bewegten, gab der Junior kräftig Gas und setzte sich mit seinem Minirad an die Spitze des Trios. Ganz schön flott unterwegs, dachte ich und wollte beim Überholen ein entsprechendes Lob an den jungen Mann bringen. Aber dazu sollte es nicht kommen.

„Du hast ein Elektrofahrrad! Du Schummler! Das gildet nicht!“, brüllte der Zwerg, während er so heftig in die Pedale trat, dass sein kleines Rad ins Schlingern geriet.

Ich war sprachlos. Für einen Moment. Dann versuchte ich, mich zu verteidigen. „Das ist kein E-Bike. Ich trete ganz allein!“, rief ich dem Mini-Biker entrüstet zu, während sich seine Eltern vor Lachen krümmten. So, das hatte gesessen! Zumindest kam kein Widerspruch, und ich nahm wieder Tempo auf.

Auf den letzten beiden Kilometer meines Arbeitsweges musste ich allerdings ordentlich schmunzeln. Das kleine Energiepaket auf zwei Rädern hatte ja irgendwie doch recht. Das Rad des Zwergs war viel kleiner als meines, besaß selbstverständlich keine Schaltung und war wahrscheinlich sogar noch schwerer, als mein Highend-Carbonrenner. Dazu meine längeren Hebel, mehr Muskelmasse, jahrelanges Training und – ich war gedopt. Zwei Tassen Kaffee mit der entsprechenden Menge Koffein zum Frühstück. Richtig geschummelt hatte ich nicht. Aber von einem fairen Vergleich konnte auch nicht die Rede sein.

Aber was ist schon fair? Genaugenommen ist doch jeder Vergleich von Leistung fragwürdig. Alter, körperliche Voraussetzungen, soziale Herkunft, finanzieller Background, persönliche Lebensumstände oder individuelle Stärken und Schwächen – es gibt so unendlich viele Parameter, die uns als Menschen ausmachen, dass ein Vergleich unter- oder miteinander immer eine mehr oder weniger große Portion Ungerechtigkeit enthält.

Nicht mal, wenn wir uns nur an uns selbst messen, klappt das mit einem fairen Vergleich. Kein Tag ist wie der andere. Oder sind Sie jeden Morgen mit der gleichen körperlichen und geistigen Frische am Start? Dann herzlichen Glückwunsch! Sie sind ein Übermensch!

Ein fairer, realistischer und eindeutiger Leistungsvergleich gelingt nur bei Maschinen oder Robotern. Da kennen wir alle Parameter und können sie in Relation zueinander setzen. Bei uns Menschen funktioniert das zum Glück nicht.

Und deshalb bin ich der Meinung, dass Schummeln eigentlich gar nicht verwerflich ist, solange es dabei um unser persönliches Wohlbefinden und nicht gegen andere geht. Ein bisschen Make-Up am Morgen, der E-Antrieb am Rad, eine Tasse Kaffee zwischendurch oder die Musik auf den Ohren, mit der alles leichter von der Hand geht. Das ist kein böses, unfaires Schummeln, sondern macht uns zu glücklicheren Menschen. Gilt übrigens auch und ganz besonders für das ein oder andere Gebet mit der Bitte um Unterstützung.

Ich finde ein bisschen Wellness-Doping-Schummelei gehört einfach dazu, damit wir den Alltag gut meistern können. Wie zum Beispiel ein Sommerurlaub in St. Otto auf Usedom. Sie werden staunen, wie leistungsfähig Sie nach zwei erholsamen Wochen bei uns im Haus wieder sind!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen erholsamen Schummel-Sommer!

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor   

 

St. Otto, Juni 2026

 „Mit dem Wind“...

… über das Warum nachgedacht. Warum? Natürlich aus gegebenem Anlass! Das Amselpärchen, das seit Jahren zuverlässig in unserem Hof brütet, ist in diesem März nicht hereingeflattert. Vielleicht lag es am gestutzten Efeu? Oder am kalten Winter? Eventuell stand dem Paar aber auch der Sinn nach einer neuen Bleibe, oder – die schlimmste Möglichkeit – die beiden sind im Laufe des Jahres verstorben. Eine Antwort auf unser nachdrückliches Warum? Die blieb natürlich aus.

Früher, also in meiner Kindheit, waren die Adressaten für meine unzähligen Warum-Fragen, meine Eltern und später die Lehrer. Manchmal konnte auch die Sendung mit der Maus helfen. Oder Willi wills wissen. Ich war extrem neugierig und deshalb auch wohl eine rechte Nervensäge. Irgendwann behalf ich mir dann mit Lexika und Fachliteratur bis das Internet mit seinen unendlichen Möglichkeiten begann, meinen Wissensdurst zu stillen.

Warum fließt der Strom schneller als Wasser? Wie viele Kalorien hat ein durchschnittlicher Döner? Warum sind die Bananen krumm?  Die Antwort? Nur ein paar Klicks entfernt. Also, wenn man Netz hat. Klar: Man darf auch da nicht alles glauben, was man liest. Aber war das mit den Antworten unserer Eltern wirklich anders? Ich erinnere nur an den Osterhasen und das Christkind …

Oft geht es bei der Warum-Frage aber gar nicht um eine konkrete Antwort. Gerade, bei existenziellen Fragen schwingt da ein unscheinbares aber deutliches „Nur“ mit. Warum nur trifft gerade mich diese Krankheit? Warum nur habe immer ich so ein Pech? Warum nur mag mich niemand? Fragen, auf die weder die KI noch sonst irgendwer eine konkrete, zufriedenstellende Antwort in der Schublade hat.

Also vielleicht doch auf einen Hellseher, ein Orakel oder das Tageshoroskop zurückgreifen? Und dann wären da ja noch die zahlreichen Ratgeber in Buchform oder als Onlineformat. Irgendwo muss es doch Antworten auf die wirklich relevanten Warum-Fragen des Lebens geben! Apropos Leben: Gerade habe ich die KI mal gefragt, warum wir Menschen sterben müssen. Die Antwort lautet: Wir Menschen sterben, weil unser Körper einem natürlichen Alterungsprozess unterliegt. Super! Genau das, was ich hören wollte.

Die Kirche würde diese existenzielle Frage übrigens wie folgt beantworten: Wir müssen sterben, um zum ewigen Leben zu gelangen. Gefällt mir ehrlich gesagt auch nicht besser.

Zwei Antworten und mit keiner bin ich zufrieden. Das liegt wohl daran, dass der von mir gedachte Subtext „Warum müssen wir überhaupt sterben und dürfen nicht einfach ewig – und natürlich glücklich und zufrieden - weiterleben? Welcher Pfuscher hat das denn verbockt? Und warum bitteschön korrigiert niemand diesen Lapsus?!“ unbeantwortet bleibt.

Und genau da wären wir dann beim Kern des Problems angekommen: Viele unserer Warum-Fragen sind nämlich im Grunde gar keine Fragen, sondern Klagen, Mängelanzeigen, Ausrufe der Verzweiflung oder auch Beschwerden, auf die es keine Antwort gibt, die uns zufrieden stellt.

Jetzt können wir uns natürlich in unserer Unzufriedenheit suhlen, anderen die Schuld an allen Miseren unseres Lebens und den Ungerechtigkeiten der Welt geben und uns lauthals über die Unfähigkeit der vermeintlich Zuständigen beklagen. Aber bringt das was? Na klar: Viel Lärm um nichts.

Ich schlage stattdessen vor, nicht bei jedem unklaren Sachverhalt endlos nach Erklärungen zu suchen, die uns am Ende oft gar nicht weiterhelfen. Versuchen Sie, nicht allem und jedem auf den Grund zu gehen, denn Vieles ist und bleibt für unser menschliches Denken unergründlich. Das ist nicht naiv, sondern macht das Leben einfacher, schöner und definitiv leichter. Wir müssen nicht alles verstehen, denn das können und wollen wir gar nicht.

„Glauben heißt nicht wissen“ lautet ein zumeist negativ gemeinter Spruch. Ich möchte dieses Credo aller Zweifler und Besserwisser im christlichen Sinne ein wenig umstellen: Nicht wissen heißt glauben! Vielleicht ein Ansatz, der manch sinnlose Warum-Frage überflüssig macht.

Das Amselpärchen hat sich übrigens mit reichlich Verspätung im Mai eingefunden. Warum erst so spät? Völlig egal. Hauptsache, sie sind wieder da.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor       

 

St. Otto, Mai 2026

 „Mit dem Wind“...

… bin ich auf meinem täglichen Weg zur Arbeit an einem der zahlreichen Rapsfelder im Inselnorden vorbeigekommen. Jedes Jahr halte ich schon Anfang März Ausschau nach den ersten Trieben, die noch wenig attraktiv, wie Grünkohl oder Brokkoli daherkommen. Mit den ersten kräftigeren Sonnenstrahlen im April schießen die grünen „Bodendecker“ dann aber explosionsartig in die Höhe, zünden den Wachstums-Turbo, wie Jugendliche in der Pubertät, und dann dauert es nicht mehr lange, bis sich die ersten gelben Blüten zeigen.

In diesem Jahr musste ich mich allerdings in Geduld üben. Der April auf der Insel war kühl und windig. Da haben sich die meisten Rapspflanzen wohl im Abwarten und Heißen-Tee-Trinken geübt. Also die meisten. Vereinzelte Pflänzchen konnten es aber offensichtlich nicht abwarten, bis die Sonnenstrahlen intensiver werden und die Temperaturen im dauerhaft zweistelligen Bereich angekommen sind. Diese „Frühblüher“ reckten furchtlos schon Mitte des Monats ihre strahlend gelben Blüten in die noch frische Brise. Sehr zur Freude der ersten Insekten übrigens, von denen diese Vorhut der Frühlingsblütenvielfalt begeistert umschwärmt wurde.

Während ich so durch die Felder radelte und nach den nächsten gelben Tupfern Ausschau hielt, wurde mir mal wieder klar: Der liebe Gott hat die Natur einfach meisterhaft eingerichtet! Und Individualität wurde dabei von ihm ganz großgeschrieben. Der Landwirt hat seinen Raps nämlich mit Sicherheit nicht etwa häppchenweise ausgesät, nur damit bereits die ersten Bienen auf Nahrungssuche schon mal einen Vorgeschmack auf das frühlingshafte Schlemmerbuffet bekommen.

Ganz im Gegenteil. Der zuständige Agronom hätte am liebsten, dass nach Möglichkeit alle Rapspflanzen schön gleichmäßig wachsen, blühen und gedeihen. Schließlich will er ja nicht in Etappen ernten. Da sprechen schon arbeitsökonomische Gründe dagegen.

Und was machen die Raps-Pflanzen? Na, die meisten sind wohlerzogen, gehorsam und orientieren sich am Wunsch des Bauern. Aber da gibt es eben diese „Frühblüher“, die nicht abwarten können, bis der Rest endlich hinterherkommt und mitten im Feld einfach mal ein gelbes Blüten-Zeichen setzten. Und dann wären da noch die Schlafmützen, Faulpelze oder Spätstarter, die erst blühen, wenn der Rest des Feldes schon abgeblüht und fast erntereif ist. Dazu noch die Aus-der-Reihe-Tänzer, die einfach im nächsten Jahr als Wildwuchs noch einmal blühen, obwohl der Landwirt das Feld mit Sommerweizen bestellt hat. Was für eine Unordnung, möchte man schimpfen. Und das auf einem ordentlich bestellten Feld!

Aber gerade dieser Wildwuchs, diese Freiheit und Individualität macht unsere Natur aus. Und das individuelle Wachstum der Pflanzen, das außerhalb der ertragsorientierten Landwirtschaft natürlich noch viel dominanter vertreten ist, hat ja tatsächlich auch einen Sinn: Verlängerte Vegetationsphasen sind gut für die Insekten, stellen eine sichere Nahrungsquelle für zahlreiche Lebewesen und damit schlussendlich auch für uns dar.

Die Frühblüher, Nachzügler, Falschwachser oder Chaoten unter den Pflanzen haben alle ihre Aufgabe im komplexen System der Schöpfung. Die sind nicht etwa Schrott, Ausschuss oder Unkraut, nur, weil sie sich nicht an unsere Regeln halten. Dass uns manchmal das Verständnis dafür fehlt, wie alles zusammenhängt? Geschenkt! Wir sind schließlich nicht der göttliche Gärtner, der dieses komplexe System geschaffen hat, es hegt und pflegt.

Aber vielleicht sollten wir an der ein oder anderen Stelle darauf vertrauen, dass Gottes ganz eigener Ansatz bezüglich Wachstum und Individualität nicht nur für die Flora und Fauna um uns herum, sondern genauso auch für uns gilt.

Die Menschheit als eine gleichgeschaltete Herde von Robotern? Eine grässliche Vorstellung, auch wenn der ein oder andere Machthaber oder Potentat sicher begeistert wäre. Und zugegeben: Ich kenne auch Lehrer, die dem Gedanken einer folgsamen Herde durchaus etwas abgewinnen könnten.

Der göttliche Ansatz aber ist ein gänzlich anderer. Der verzichtet nämlich darauf, naseweise Frühblüher einzukürzen, und hat unendlich viel Geduld mit verschlafenen Nachzüglern, weil er weiß, dass gerade diese Vielfalt uns allen guttut.

Wachsen und gedeihen lassen. Ein schöner Vorsatz, nicht nur fürs Frühjahr.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor     

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